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Märchenbücher und Geschichten zum Lesen und Vorlesen

Kategorie: Fernsehgeschichten

„Dreharbeiten“

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Fernsehen, wie macht man das? Eine Frage, die sich in den Anfangsjahren des Fernsehens täglich stellte. Das neue Medium bot die Möglichkeit, live, direkt aus dem Studio Bilder und Töne zu versenden oder wie im guten alten Kintopp mit schwerfälliger Technik, unempfindlichem Filmmaterial, das viel Licht aus Scheinwerfern benötigte, die viel weniger Licht gaben als eine Quarzlampe heute, Sendungen als Filme zu produzieren. Das Zoom, die Magnetaufzeichnung, die Videotechnik, das sind spätere Entwicklungen, die das heutige Fernsehen erst ermöglichen.

Ich habe diese Entwicklung von Anfang an miterlebt, war schon in den ersten Jahren als Regieassistent und Regisseur dabei. Als ich 1996 in Pension ging, hatte ich eine Kiste voller Erinnerungen. Vieles aus dieser Kiste habe ich aufgeschrieben. Es sind Geschichten aus meinem Berufsleben, von Drehorten auf allen Kontinenten, von Erlebnissen, berührend, ernst, aber auch heiter und von Menschen, denen ich begegnet bin – vor und hinter der Kamera.

„Es gibt keinen Beruf, der vielseitiger, interessanter und spannender ist, als der des Fernsehjournalisten“  behaupte ich.

Der Mond ist nicht aus grünem Käse

Am 21. Juli 1969 betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Nachdem er seinen weltberühmten Satz: „Ein kleiner Schritt für den Menschen – ein riesiger Sprung für die Menschheit“ gesagt hatte, begann er damit, Fotos zu machen, Gesteinsproben zu sammeln und alles zu messen, was er messen konnte. Zum Beispiel die Mondwinde.

Wie bekannt, endete das Abenteuer zur Zufriedenheit aller Fachleute damit, dass Armstrong und seine Mannschaft am Nachmittag des 24. Juli 1969 mit ihrer Kapsel im Pazifik wasserten und dann problemlos geborgen wurden. Natürlich rissen sich die Wissenschaftler um das mitgebrachte Mondgestein. Auch die Universität Mainz bekam ihren kleinen Anteil. Rund ein halbes Kilo.

Wir waren mit einem Kamerateam dabei, als das Paket aus den USA in der Universität ausgepackt wurde. Das war ein Ereignis, von dem es sich lohnte, einen kleinen Fernsehbericht zu erstellen. Ungefähr ein Dutzend Wissenschaftler waren anwesend. Zunächst wurde die äußere Verpackung entfernt und alle waren ein wenig erstaunt, dass die kostbare Fracht ohne besondere Sorgfalt in einen Papierbogen eingeschlagen war. Als der aufgeblättert wurde, kamen vier oder fünf Brocken eines schwarz-grauen Gesteins ans Licht. Unspektakulär. Kein kollektives „Aaaahhh“ oder „Oohhh“ ertönte. Steine waren es und wenn man nicht gewusst hätte, dass sie vom Mond stammen, wären sie vermutlich niemandem aufgefallen.

Die Brocken wurden nun in dafür vorgesehenen Behälter aus Kunststoff gepackt und dann war die Geschichte eigentlich zu Ende. Auf dem Papier hatte sich aber eine kleine Menge sandiger Mondstaub abgesetzt und ich konnte mich nicht länger beherrschen, machte einen Finger mit der Zunge feucht und tauchte ihn in den Staub. Dann steckte ich den Finger wieder in den Mund und naschte von dem grauen Zeug.

Natürlich hatte meine Aktion Aufmerksamkeit erregt. Alle schauten mich mehr oder weniger erstaunt und erwartungsvoll an. Einer der Professoren brachte es dann auf den Punkt:

„Sie sind vermutlich der einzige Mensch, der Mond gefressen hat. Schmeckt er?“

Er schmeckte natürlich nicht. Steinmehl, egal woher es stammt, schmeckt nie.

Ein anderer der Anwesenden meinte:

„Damit ist eine die Wissenschaft bewegende Frage ein für alle Mal geklärt. Der Mond besteht nicht, wie mitunter behauptet wird, aus grünem Käse.“  Recht hat er. Das kann ich bestätigen.

Schaden haben weder ich, noch die Wissenschaft genommen. Vermutlich war die Menge einfach zu gering.

Immerhin: wer kann schon behaupten, vom Mond gegessen zu haben?