Kirchenkritik

Abraham

„Sagen Sie, Pater, Gott ist doch allwissend, oder?“
„Ja, Gott ist allwissend, mein Sohn.“
„Er weiß also alles, was war, was ist und was sein wird, richtig?“
„Das hast Du richtig erkannt, mein Sohn. Gott weiß alles, was war, was ist und was sein wird.“
„Dann verstehe ich nicht, wieso er Abraham anwies, seinen Sohn Isaak zu opfern.“
„Nun, er wollte ihn auf die Probe stellen, wollte wissen, ob Abrahams Liebe zu Gott größer ist als zu seinem Sohn.“
„Aber, wenn er doch alles weiß.“
„Ja, aber Abraham konnte sich frei entscheiden. Gott überließ ihm die Entscheidung.“
„Aber wenn Gott Alles weiß, was war, was ist und was sein wird, dann wusste er doch schon vorher, wie Abraham sich entscheiden würde. Sogar besser als Abraham selber. Dann war doch diese Probe nichts anderes als ein Spiel eines perversen Sadisten mit der Angst eines Vaters um seinen Sohn und der Angst eines Jungen um sein Leben.“
„Das, mein Sohn, will ich überhört haben. Merke Dir, Gottes Wege sind für uns manchmal unverständlich. Da hilft nur, zu glauben.“

Eine Szene

„Ich habe mal wieder in der Bibel gelesen, Pater und da habe ich natürlich auch wieder eine Frage.“
„Das ist wohlgetan, mein Sohn. Man sollte immer wieder in der Heiligen Schrift lesen. Nun frage, was Du fragen willst.“
„Also, ich habe mir eine Szene vorgestellt.
Vor der Hütte, in der es mit seinen Eltern und Geschwistern lebt, hockt ein kleines Mädchen von vielleicht vier Jahren am Boden und macht mit dem Rest eines Palmwedels Striche in den Boden. Es freut sich, dass es etwas geschaffen hat, was man sieht. Es ist die ganz naive, kindliche Freude darüber, dass es etwas fertig gebracht hat.
Etwa sechs Meter weiter steht der siebenjährige Bruder des Mädchens und bewundert mit aufgerissenen Augen und offenem Mund seinen Vater, der es schafft, ein so riesiges Tier, wie ein Kamel dazu zu bringen, sich niederzuknien, damit er aufsteigen kann. Die Bewunderung des Kleinen ist grenzenlos. Der Vater freut sich über seine Kinder, die so wohlgeraten sind. Dann reitet er los.
Er kommt ungefähr 20 Meter weit, dann sterben er und seine Kinder, denn das Ganze spielte sich in einer kleinen Straße in Gomorrha ab und da ließ der Herr bekanntlich Feuer und Schwefel regnen, weil er zornig war, dass in der Stadt die Leute alle sündigten.
Aber, und das ist die Frage, kann ein Kind von vier Jahren überhaupt sündigen oder auch der Junge mit sieben Jahren?“
„Nun, mein Sohn, man darf nicht alles ganz wörtlich nehmen, was in der Bibel steht.“
„Aber die Kirche sagt doch, dass die Bibel vom Heiligen Geist mehr oder weniger diktiert ist. Und nun wollen Sie und die Theologen sich anmaßen, den Heiligen Geist zu interpretieren?“
„Das können wir gar nicht und wollen es auch nicht. Es ist eben so, Gottes Wege sind für uns manchmal unverständlich. Da hilft nur, zu glauben.“

Eine Rechnung

„Ich habe, Pater, in der Bibel die Geschichte von Noah und seiner Arche gelesen.“
„Wie ich Dich kenne, mein Sohn hast Du auch dazu wieder eine Frage.“
„Ja, aber die kommt am Schluss. Zuerst will ich mal meine Rechnung erklären. Noah hatte den Auftrag, eine Arche zu bauen und von jeder Tierart ein Paar mit auf diese Arche zu nehmen. Ist das so?“
„Vollkommen richtig, mein Sohn. Sonst gäbe es ja heute keine auf dem Land lebenden Tiere mehr.“
„Gut, dann will ich mal ein wenig was vorrechnen. Es gibt doch Löwen, Tiger, Panther, Leoparden, Geparden, Luchse, Wildkatzen, Braunbären, Grizzlys, Eisbären, Hyänen, Schakale, Wölfe, Füchse, Wildhunde, Wiesel, Hermeline, Ratten, Mäuse und noch viel mehr fleischfressende Tiere.
Dazu kommen dann die Tiere, die Gras fressen. Elefanten, Giraffen, Pferde, Zebras, Rinder, Büffel, Wasserbüffel, Lamas, mindestens 10 Arten Antilopen, Okapis, Alpakas, Schafe, Ziegen, Hasen, Kaninchen und was der Tiere mehr sind.
Dann Tiere, die alles fressen. Schweine und Affen zum Beispiel.
Und dann die Vögel alle – die zähle ich jetzt nicht auf. Auch die Würmer und Insekten sind so zahlreich, dass ich morgen noch am aufzählen wäre.
Für alle diese Tiere mussten Ställe und Käfige gebaut werden. Außerdem mussten sie gefüttert werden. Da es aber auf der Arche keine Kühlschränke gab, musste zumindest das Futter für die Fleischfresser als lebendes Futter mitgenommen werden und erst bei Bedarf geschlachtet werden. Aber das lebende Futter, in erster Linie wohl Rinder, musste ja auch gefüttert werden. Wie viel Tonnen Gras und Heu mit welchem Gesamtvolumen waren dazu wohl notwendig, um die zehn Monate, die das ganze Unternehmen dauerte zu überstehen?
Wie es in der Bibel steht, war die Arche 135, 5 Meter lang, 22,3 Meter breit und 13,4 Meter hoch, hatte drei Decks und circa 8900 Quadratmeter Bodenfläche. Neben den Tieren waren
8 Menschen an Bord. Noah mit Frau und drei Söhnen und deren Ehefrauen. Wie viele Leute waren wohl mit dem Bau dieser riesigen Kiste beschäftigt? Aus Zypressenholz soll sie gebaut gewesen sein.
Nun meine Frage, Pater. Halten Sie das für realistisch?“
„Nun, Noah hatte wohl genug Zeit, um die Arche zu bauen.“
„Verfügte er auch über genügend Zypressenwälder? Zu den 8900 Quadratmetern Bodenfläche kamen ja noch die Flächen der Bordwände hinzu und das Holz für die Käfige und Ställe. So 24 000 Quadratmeter werden es mindestens gewesen sein, für die das Holz gefällt, zugeschnitten und eingebaut werden musste und das waren ja keine dünnen Brettchen, sondern feste, dicke Planken.“
„Mein Sohn, wenn Gott einen derartigen Auftrag erteilt, dann wird er auch dafür Sorge tragen, dass er ausgeführt werden kann.“
„Er hat also geholfen?“
„Ganz sicher.“
„Naja, Zimmermannsarbeit war ja in der Familie irgendwie üblich.
Jetzt aber noch eine ganz andere Frage: Verdanken – bis auf die Fische – alle heutigen Tiere und heutigen Menschen ihre Existenz einer absoluten Inzucht, wie sie nach der Landung der Arche wohl passieren musste?“
„Das weiß ich nicht. Auch hier gilt: Gottes Wege sind für uns manchmal unverständlich. Da hilft einmal mehr nur, zu glauben.“

Dreifaltigkeit

„Jetzt möchte ich, Pater, mal eine Frage stellen, die ich nicht aus der Bibel habe. Gott besteht ja, wie Sie sagen, aus drei Teilen oder drei Personen. Kann man sich das so vorstellen, dass die Drei um einen Tisch herum sitzen könnten und Skat spielen?“
„Unsinn, mein Sohn. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind eine Einheit, sind eben Gott, der als Ganzes verehrt werden muss. Verstanden?“
„Im Prinzip schon. Jedoch verstehe ich dann eine andere Sache nicht. Gott, also die Einheit aus Vater Sohn und Heiliger Geist, ist zornig, weil die Menschen so viel sündigen und nicht so leben, wie er das will. Also geht Gott auf die Erde, lässt sich foltern und auf üble Art zu Tode bringen und ist danach nicht mehr zornig. Das verstehe ich nicht.“
„Gott hat, indem er seinen Sohn zur Erde schickte und dort leiden ließ, die Sünden der Menschheit auf sich genommen und damit verziehen. Das ist doch nicht schwer zu verstehen, oder?“
„Naja, aber Gott ist doch allmächtig. Die Übernahme der Sünden und die Verzeihung hätte er doch viel einfacher haben können. Das wäre doch wie ein Fingerschnippen für ihn gewesen. Warum also die ganze Show auf dem Kalvarienberg mit Dornenkrone und Kreuzschleppen und dann da oben hängen?“
„Damit hat Gott den Menschen gezeigt, wie sehr er sie liebt. Er nahm Leid und Tod auf sich dafür. Das ist doch ein Zeichen unendlicher Liebe.“
„Aber ein allmächtiger Gott muss doch nicht so ein Theater veranstalten dafür. Seine unendliche Liebe hätte er doch den Menschen auf ganz andere Weise eingeben können.“
„Du weißt doch, mein Sohn: Gottes Wege sind für uns manchmal unverständlich. Da kann man nichts anderes tun, als zu glauben.“

Kain

„Pater, im Alten Testament steht doch ganz am Anfang, dass Gott den Adam erschaffen hat und dann dem eine Rippe herausoperiert hat und daraus Eva gemacht hat.“
„Ja, mein Sohn, das ist die Schöpfungsgeschichte. So entstanden die Menschen.“
„Dann haben Adam und Eva das falsche Obst gegessen und wurden danach aus dem Paradies gescheucht. Richtig“
„Ja, so war es. Sie haben Gott nicht gehorcht und dafür strafte Gott sie.“
„Draußen, außerhalb vom Paradies haben sie dann gemerkt, dass es Spaß macht, miteinander zu schlafen und so kamen Kain und Abel auf die Welt.“
„Auch das ist so überliefert, mein Sohn.“
„Und dann ging‘s rund. Der Kain hat den Abel einfach erschlagen und dafür wurde er nicht einmal wirklich bestraft.“
„Woher, mein Sohn, willst Du das wissen?“
„Im Alten Testament steht doch, dass der Kain, nachdem er Abel eschlagen hat, mit seinem Sohn Enoch in das Land Nod gegangen ist und dass er dort eine Stadt gegründet hat.“
„Du liest wirklich sehr aufmerksam in der Bibel.“
„Ja, und deswegen ist mir auch was aufgefallen. Wieso hat der Kain einen Sohn? Gab’s da vielleicht noch ein paar Schwestern, mit denen er es getrieben hat? Oder vielleicht sogar mit seiner Mutter? Vom Himmel gefallen wird der Enoch ja wohl nicht sein.“
„Du solltest Dich in Deiner Ausdrucksweise etwas ehrerbietiger zeigen und darfst nicht alles, was Du da gelesen hast, wörtlich nehmen.“
„Aber wieso steht es dann so da? Hat der Heilige Geist an dieser Stelle womöglich etwas geschludert? Der ist ja, wie der Papst sagt, letzten Endes für die Texte verantwortlich.“
„Du führst sehr lockere Reden, mein Sohn und ich habe Dir schon wiederholt erklärt, dass Gottes Wege für uns nicht immer zu verstehen sind und dass es da nur eine Möglichkeit gibt: glauben“

Bergpredigt 1

„Pater, ich habe in der Bibel mal die Bergpredigt gelesen.“
„Das ist wohl getan, mein Sohn.“
„Wow, da stehen ja eine Menge Sachen drin. Das ist ja eine komplette Gebrauchsanweisung für die Christen.“
„Für die katholischen Christen.“
„Ach so, naja. Ein paar Dinge sind mir aber doch aufgefallen. Da heißt es unter 6,7: ‚Plappert nicht wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen‘.“
„An dieser Stelle steht auch – und Du wirst es gelesen haben – das wichtigste Gebet des Christentums, das Vaterunser.“
„Das habe ich natürlich gelesen und das ist ja auch nicht so lang. Warum aber gibt es bei den Katholen so endlos lange Litaneien. Geh’n Sie mal in eine richtige Maiandacht. Die hören dort gar nicht wieder auf mit ihren Wiederholungen. Da werden wirklich unheimlich viele Worte gemacht.“
„Das verstehst Du nicht richtig. Mit den Litaneien werden Gott oder auch Heilige angerufen oder es sind Fürbittelitaneien, in denen wir armen Sünder um etwas bitten, zum Beispiel um die Vergebung unserer Sünden.“
„Aber warum muss ich das 20 Mal hintereinander tun? Sind die da oben schwerhörig?“
„Du bist respektlos, mein Sohn!“
„Ja, ist schon gut. Ist eine Sünde, ich weiß, aber die kann ich ja mit einer Litanei wieder wegbeten, oder?“
„Das bezweifle ich, weil Du nicht wirklich bereust.“
„Da muss mir sowieso was anderes einfallen, denn mit ‘ner Litanei verstoße ich ja eindeutig gegen die klare Anweisung, nicht so viele Worte zu machen, wie die Heiden. Meinen Sie eigentlich, dass so eine Litanei was bewirkt?“
„Das weiß ich nicht, mein Sohn, aber da Gottes Wege für uns unbegreiflich sind, hilft nur, zu glauben.“

Bergpredigt 2

„In der Bergpredigt, Pater, habe ich noch was gelesen, was mich zum Nachdenken bringt. Da steht doch ganz vorne an 5,3: ‚Selig, die arm sind‘. Und etwas weiter hinten bei 6,28: ‚Was sorgt Ihr Euch um Eure Kleidung‘? Wenn ich das richtig verstehe, dann heißt das doch, dass man sich nicht zu prächtig kleiden soll. Gilt das für alle Christen?“
„Selbst verständlich, gilt das für alle Christen. Bescheidenheit und Gottesfurcht soll sich auch in der äußeren Erscheinung des frommen Menschen zeigen. Nimm Mönche wie mich als Beispiel, mein Sohn. Die tragen ein härenes Gewand und haben keinerlei Zierart an sich.“
„Naja, Pater, auf die mag das ja zutreffen, aber Andere, die auch Christen heißen, laufen ganz schön herausgeputzt herum. Gold am Stecken, Gold an der Mütze, prächtige Gewänder mit seidenen Schärpen, dicke goldene Ringe und kostbare Kreuze vor dem Bauch und der Chef vom Ganzen noch mit sauteuren roten Schuhen. Gilt das, was Gott – Jesus ist ja Gott, wie Sie sagen – gesagt hat, für die nicht?“
„Du sprichst von den Bischöfen, den Kardinälen und dem Stellvertreter Gottes auf Erden, dem Papst. Die Pracht, die sie verkörpern und die man auch in den Kirchen, den Häusern Gottes sieht, dient nur der Ehre Gottes. Sie zeigt den Menschen, dass für Gott nichts zu kostbar ist.“
„Aber wenn Gott doch ausdrücklich gesagt hat, er will das nicht?“
„Das verstehst Du nicht, mein Sohn. Dass das richtig ist, musst Du ganz einfach glauben.“

Christi Himmelahrt

„Pater, ich habe im Katechismus das Glaubensbekenntnis gelesen.“
„Ja, das ist so etwas wie eine eidesstattliche Erklärung, dass man ein guter Katholik ist.“
„Mag ja sein, aber wirklich zu verstehen ist das ja nicht. Da steht zum Beispiel drin: ‘gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel, usw.“
„Und was ist daran so schwer zu verstehen, mein Sohn?“
„Na ja, der Jesus ist am Kreuz gestorben und wurde dann beerdigt. Richtig?
„Ja, so war es.“
„Dann war also, wo er doch wirklich tot war, seine Seele für eine Weile schon nicht mehr da.“
„Das weiß ich nicht.“
„Er war doch Mensch und wenn ein Mensch stirbt, dass verschwindet seine Seele. Aber bei Jesus war das anders. Der bekam nach drei Tagen seine Seele zurück und konnte auferstehen. Und dann ist er in den Himmel aufgefahren, wie das Glaubensbekenntnis sagt.
Ist der da einfach so nach oben geschwebt, wie ein Hubschrauber oder kam da eine Wolke, auf die er sich gesetzt hat oder ist er, wie mit einer Rakete nach oben so huuiii abgeschossen?
Das Ganze ist sowieso bescheuert. Was soll der mit seinen vielleicht 75 Kilo Lebendgewicht im Himmel? Sinnvoller wäre es doch gewesen, die Seele gleich da oben zu behalten und den Rest, der ja eigentlich nicht mehr zu gebrauchen ist, friedlich in seinem Grab ruhen zu lassen, oder?“
„Du siehst, abgesehen davon, dass ich finde, Du solltest auch in Deiner Wortwahl etwas mehr Ehrerbietung gegenüber Gott zeigen, mich ratlos. Ich habe keine andere Antwort auf Deine Frage, als die, dass Gottes Wege für uns nicht nachvollziehbar sind, dass wir einfach glauben müssen.“

Wunderbare Brotvermehrung

„Gestern, Pater, habe ich die Geschichte von der wunderbaren Brotvermehrung gelesen.“
„Oh ja, eine sehr schöne Geschichte, die die Menschlichkeit des göttlichen Jesus zeigt.“
„Aber da gibt es ein paar komische Sachen.“
„Welche meinst Du, mein Sohn?“
„Also es war schon Abend, richtig?“
„Ja, das steht ja da in der Heiligen Schrift.“
„Die hatten 5 Brote und zwei Fische. Jesus nahm das Brot und betete eine kleine Weile und dann gab er es den Jüngern, damit die es ans Volk verteilen sollten. Wenn die also ein Brot aus der Hand gaben, war sofort wieder einen neues da, oder?“
„Ich denke, so kann man sich das vorstellen.“
„Aber das saßen 5000 Männer und dazu kamen die Frauen und Kinder. Niedrig geschätzt waren das mehr als 10 000 Leute. Das ist ja schon eine Kulisse, wie in der 2. Bundesliga. Was meinen Sie, Pater, wie lange das wohl gedauert hat, bis da jeder was gekriegt hat. Wenn alle 12 Jünger dabei waren, kamen auf jeden rund 900 Personen und wenn sie ganz fleißig ausgeteilt haben, dann schaffte jeder vielleicht drei pro Minute – die Leute saßen ja schließlich nicht in Reih und Glied – dann dauerte die Geschichte runde fünf Stunden. Da war es dann fast Mitternacht, oder? Was hat da der Jesus noch erzählen können?“
„Mein Sohn, Du misst mit menschlichen Maßstäben. Solche Wunder passieren nicht nach der Stoppuhr. Es kann doch gut sein, dass von den Menschen dort plötzlich jeder so viel Brot in der Hand hatte, wie er brauchte.“
„Aber da steht doch ganz genau: ‚Und er befahl dem Volk, sich in das Gras zu lagern, nahm die fünf Brote und die zwei Fische, sah zum Himmel auf, dankte, brach und gab den Jüngern die Brote, die Jünger aber gaben sie dem Volk. Und sie aßen alle und wurden satt; und sie hoben auf, was übrig blieb an Brocken, zwölf Körbe voll. Die aber gegessen hatten, waren etwa fünftausend Männer, ohne Frauen und Kinder‘.
Wenn das so gewesen wäre, wie Sie sagen, dann stünde dort wahrscheinlich: ‚und jeder hatte plötzlich genug Brot in der Hand‘. Da hat doch der Heilige Geist, der ja dafür verantwortlich ist, wie Sie sagen, wieder mal Unsinn erzählt, oder?“
„Lass den Heiligen Geist aus dem Spiel, ja!“
„Wenn der aber doch das alles diktiert hat, wie Sie immer behaupten.“
„Ich sage nicht, dass der Heilige Geist sie wortwörtlich diktiert hat, sondern dass diese Texte vom Heiligen Geist inspiriert sind. Das heißt, dass die Menschen, die sie aufschreiben, Fehler machen können. Außerdem kann man Wunder nicht mit Logik beweisen. Wenn man das könnte, wären sie keine Wunder mehr. An Wunder muss man einfach glauben.“

Jona und der Walfisch

„Pater, ich habe im Alten Testament die Geschichte von Jona und dem Walfisch gelesen. Das ist doch ein absolutes Märchen, oder?“
„Die Heilige Schrift, mein Sohn, ist ganz sicher kein Märchenbuch. Du weißt, warum Jona von einem Wal verschlungen worden ist?“
„Ja, wenn das stimmt, was da steht, dann hat der gute Jona die Falsche Richtung genommen und ist nicht, wie Gott ihm befohlen hat…..Sagen Sie, Pater, wie befiehlt Gott einem Menschen überhaupt etwas?“
„Das macht er nicht mit lauter Stimme und direkt. Er gibt es den Menschen ein. Die wissen dann plötzlich, was zu tun ist. Mir hat Gott befohlen, Priester und Mönch zu werden. Ich wusste es eines Tages einfach, dass das mein Weg ist.“
„Na gut, dann hat also der Jona eines Tages gewusst, er muss nach Ninive gehen und den Leuten dort erklären, dass Gott beschlossen hat, die Stadt zu vernichten. Also, das hat er ja häufiger gemacht – ich meine, Städte vernichten. Sodom und Gomorrha und so.“
„Da hatte Gott seine Gründe.“
„Wenn Sie es sagen. Aber der Jona, der wollte den Leuten in Ninive die Botschaft nicht ausrichten und ist in die andere Richtung geflohen. Mit einem Schiff über das Meer. Richtig?“
„Richtig und darüber war Gott erzürnt und hat einen gewaltigen Sturm gemacht und die Seeleute haben aus Angst Jona über Bord geworfen. Da hörte der Sturm auf.“
„Ja, das habe ich auch gelesen. Aber was dann kommt, ist Humbug. Ein Walfisch hat den Jona verschlungen. Das geht nicht. Wale, die andere Tiere jagen und fressen, sind viel zu klein für sowas und die großen Wale fressen ja nur Plankton, also ganz kleine Tierchen. Glauben Sie wirklich an so eine Geschichte, Pater?“
„Gott, mein Sohn, kann, wenn er das will, einen Wal schaffen, der so groß ist, dass er einen Jona oder noch viel größere Sachen schlucken kann.“
„Ja ja, und nach drei Tagen kotzt der Fisch den Jona an irgendeinem schönen Strand wieder aus. Also, Pater mir kommt die Geschichte wie ein Märchen vor, so wie der gestiefelte Kater oder der fliegende Teppich oder Peterchens Mondfahrt.“
„Du versündigst Dich an der Heiligen Schrift, mein Sohn. Die ist immerhin vom Heiligen Geist inspiriert und das ist für uns Katholiken maßgebend. Verstanden?“
„So langsam habe ich den Eindruck, der Heilige Geist ist ein Typ, der von nix eine Ahnung hat und der Leute, die auch ahnungslos und ungebildet sind, dazu bringt, Blödsinn zu erzählen.“
„Mein Sohn, wäre mein Glauben an Gott nicht so stark, dann würde ich Dich für einen hoffnungslosen Fall halten. Aber ich werde mich weiter um Dich bemühen und sage Dir zum wiederholten Mal, dass Dir, wenn du etwas nicht verstehst, nur übrig bleibt, zu glauben, fest und unverbrüchlich zu glauben.“

Mariae Himmelfahrt

Also, Pater, ich habe mich mal wieder schlau gemacht – beziehungsweise, ich wollte mich schlau machen, verstehe aber das Ganze mal wieder nicht.“
„Frage nur, mein Sohn, ich kann Dir sicher Auskunft geben.“
„Kann ich mir nicht vorstellen. Bei dem anderen Fall, den ich angesprochen habe, mussten Sie auch zugeben, keine Antwort zu haben. Christi Himmelfahrt, meine ich. Bei der Himmelfahrt der Maria ist das ja genau das Gleiche. Was soll die Frau da oben mit ihrem Körper? Wenn’s stimmt, was da geschrieben ist, dann sind sie ja schon zu zweit, dann kann sie ja allenfalls mit ihrem Sohn einen Bummel über die Wolken machen oder durch irgendeinen Paradiesgarten.“
„Nun, ich denke, man sollte auch das nicht so ganz wörtlich nehmen.“
„Nee, nee, Pater so einfach kommen Sie nicht davon. Sie müssen zwingend an die leibliche Himmelfahrt Mariens glauben. Das hat der Papst Pius XII 1950 so bestimmt. Das ist seitdem ein Dogma, also ein Lehrsatz, dessen Wahrheitsanspruch als unumstößlich festgestellt wird.“
„Ich wäre ein schlechter Katholik und ein noch schlechterer Priester, wenn ich an das vom Heiligen Vater verkündete Dogma nicht glauben würde.“
„Na also, dann müssten Sie doch wissen, was das Ganze bedeutet.“
„ Aber das ist es ja gerade. Ich weiß es nicht, verstehe es nicht und gerade deshalb glaube ich. Auch Du, mein Sohn, solltest, wenn Du etwas nicht verstehst, glauben, fest und unerschütterlich glauben.“

Hass auf die Familie

„Gell, Pater, der Jesus weiß auch manchmal nicht, was er so daherredet?“
„Ist das wieder eine von Deinen Despektierlichkeiten? Du solltest tatsächlich viel mehr Respekt vor unserem Glauben und der heiligen Mutter Kirche an den Tag legen, mein Sohn. Also, was meinst Du?“
„Naja, Pater, da gibt es doch das 4. Gebot.“
„Ganz richtig. Darin heißt es, dass Du Vater und Mutter ehren sollst.“
„Ich weiß, aber das ist irgendwie nicht richtig, denn der olle Lukas behauptet, der Jesus hätte gesagt:
‚Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und seine Mutter und seine Frau und seine Kinder und seine Brüder und Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein‘.
Also da stimmt doch was nicht. Auf der einen Seite das Gebot, dass man seine Eltern ehren soll und dann der Spruch vom Jesus, dass man die ganze Sippschaft und blödsinnigerweise sich selbst gleich mit, hassen soll, wenn man mit ihm durch die Gegend ziehen will. Ja was den nun, Pater?“
„Das, mein Sohn, ist nicht so schwierig. Jesus meint damit, dass er Vorrang vor allen anderen hat, dass derjenige, der sein Jünger sein will, sich nur auf ihn zu konzentrieren hat und dass die Verwandten nicht so wichtig sind. Verstanden?“
„So’n bisschen. Aber warum sagt er nicht gleich, was er meint und redet von Hass und so? Wieso lässt er es darauf ankommen, dass ein Pater 2000 Jahre später die Sache zurechtbiegt?“
„Vergiss nicht, mein Sohn, dass wir die Worte Jesu nicht auf irgendwelchen Tonträgern haben, sondern dass ein Mensch sie uns aufgeschrieben hat. Es gilt also nicht. Jesus zu interpretieren, sondern den Evangelisten Lukas.“
„Klar, aber dem hat doch der Heilige Geist die Feder geführt, oder? Hat der mal wieder Mist gebaut?“
„Schweige jetzt. Du lästerst Gott mit Deinen losen Reden. Mach es doch einfach so, wie ich: glaube an Jesus und seine Worte.“

Regierungen

„Pater, Sie kennen doch den Paulus, oder?“
„Du meinst den Apostel Paulus, einen der bedeutendsten Männer in den frühen Jahren unserer heiligen Kirche? Natürlich kenne ich ihn, weiß, wer er war. Warum Deine Frage, mein Sohn?“
„Also der Paulus hat geschrieben: ‚Jeder leiste den Trägern der staatlichen Gewalt den schuldigen Gehorsam‘. Stimmt doch, oder?“
„Ja, mein Sohn, das stimmt. Er schrieb das in einem Brief an die Römer.“
„Und dann hat er erklärt, dass es keine staatliche Gewalt gibt, die nicht von Gott eingesetzt ist. Also dann ist es doch so, dass auch solche Leute, wie Hitler, Stalin, Pol Pot, Idi Amin oder eben andere Typen dieser Art, von Gott eingesetzt sind. „
„Wie weit Gott sie einsetzt oder ob er nur den Menschen freie Hand lässt, kann ich nicht sagen.“
„Aber das steht dann weiter:‘ Wer sich daher der staatlichen Gewalt widersetzt, stellt sich gegen die Ordnung Gottes, und wer sich ihm entgegenstellt, wird dem Gericht verfallen‘. Das heißt doch, dass solche Leute, wie der Pater Delp oder bei der Konkurrenz der Bonnhoeffer, von Gott bestraft werden müssen, wenn das stimmt, was der Paulus da schreibt.“
„Ich denke, auch ein Paulus kann irren. Dafür, dass einer gegen ein Unrechtsregime aufsteht, wird Gott ihn sicher nicht bestrafen.“
„Aber, Pater, der Brief an die Römer ist doch Bestandteil der Bibel und da sind wir damit wieder bei dem Heiligen Geist. Da hat der mal wieder nicht aufgepasst und was Falsches – wie sagen Sie immer? – inspiriert.“
„Glaube, mein Sohn, ganz einfach an einen gütigen Gott. Da liegst Du immer richtig. Glaube einfach.“

Allwissend? Allmächtig?

„Pater, dieses Mal habe ich nicht in der Bibel gelesen, sondern nur über das, was Sie gesagt haben, nachgedacht.“
„Ich bin gespannt, mein Sohn, zu welchem Ergebnis Deine Bemühungen in dieser Richtung geführt haben.“
„Sie haben gesagt, Gott ist allwissend. Er weiß, was war, was ist und was sein wird. Das haben wir ja schon mal besprochen.“
„Richtig. Ich erinnere mich.“
„Gut. Sie haben auch gesagt, Gott ist allmächtig. Er kann also alles.“
„Ja, mein Sohn, Gott kann Alles immer und zu jeder Zeit. Daran zu zweifeln ist Sünde und es ist dumm.“
“Naja, Pater, so ganz kann das aber nicht stimmen.
Ich erklär‘s Ihnen mal. Gott weiß, weil er allwissend ist, das, was in hunderttausend Jahren sein wird. Das kann er aber nicht ändern, denn dann wäre er ja nicht mehr allwissend. Und weil er das nicht ändern kann, ist er eben nicht allmächtig. Also, was ist er nun? Allmächtig oder allwissend? Beides auf einmal geht nicht.“
„Das ist Sophisterei, mein Sohn. Bei Gott geht alles – auch auf einmal. Verstanden?
Ich sehe Dir an, Du hast es nicht verstanden. Also rate ich Dir ganz einfach: glaube, dass bei Gott Alles möglich ist.“

Todesstrafe

„Pater, haben Sie die Bibel gelesen?“
„Aber, mein Sohn, was soll diese Frage, die ist unverschämt. Ich bin Priester und Mönch. Natürlich habe ich die Bibel gelesen. Ich lese jeden Tag in der Bibel.“
„Und ist Ihnen nix aufgefallen? Ich meine, da stehen Sachen drin, die gar nicht cool sind. Sie reden doch immer von Gottes Güte, von dem gütigen Gott. Lesen Sie mal die Bücher vom Moses.“
„Ich ahne, worauf du hinauswillst.“
„Mein lieber Mann, da geht’s ganz schön rund. Der Gott, der da zitiert wird, führt sich schlimmer auf als der schärfste Sheriff aus Texas oder ein wild gewordener Ayatolla. Für Alles und Jedes gibt’s die Todesstrafe.
Wer Vater oder Mutter schlägt, der soll des Todes sterben.
Man muss sie nicht mal schlagen. Es genügt schon, sie zu verfluchen. Oder die armen Schwulen.
Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so sollen beide des Todes sterben.
Wenn eine Frau ihre Tage hat und ihr Mann schläft mir ihr, so – das steht da wörtlich – sollen Beide aus ihrem Volk ausgerottet werden. Das geht seitenlang so weiter.
Wie kriegen Sie das mit einem ‚gütigen Gott‘ zusammen?“
„Also, mein Sohn, das sind bestimmt nicht die Worte Gottes. Das haben ihm die Verfasser der Bibel in den Mund gelegt. Das muss man richtig, auch aus dem Geist der Zeit heraus, interpretieren.“
„Und wer soll das machen, das Interpretieren meine ich?“
„Das machen natürlich die Theologen.“
„Aber warum müssen sich ein paar Eierköpfe Jahrhunderte lang darum bemühen, festzustellen, was Gott oder der Heilige Geist – ist ja, wie Sie sagen, dasselbe – eigentlich damit gemeint hat, wenn er so was schreibt. Warum kann der nicht ganz einfach, klipp und klar sagen was Sache ist? Das ist doch ein Stümper, oder?“
„Du versündigst Dich, mein Sohn.“
„Macht nix.“
„Oh doch, das macht schon etwas. Ich gebe Dir den guten Rat, glaube einfach an die Güte Gottes und daran, dass er die Menschen liebt.“
„Nicht alle! Nur die Katholiken. Alle anderen schickt er doch zur Hölle.“
„Dann werde eben ein guter Katholik, glaube an die Allmacht Gottes und die Lehren unserer heiligen Kirche.“

Das Elend in der Welt

„Ich habe mal wieder eine Frage, Pater, eine grundsätzliche.“
„Oh je, wenn Du Fragen hast, ist das schon anstrengend, aber wenn die Frage Grundsätzliches betrifft, dann wird’s problematisch. Aber frage nur, mein Sohn.“
„Also, Pater, auf der Welt gibt es doch viele schlimme Dinge, viel Elend. Da verhungern jeden Tag viele tausend Kinder, anderswo sterben die Leute durch Krieg und Gewalt und dann gibt es die Naturkatastrophen, wo die Menschen unter einstürzenden Häusern begraben werden, wo sie verschüttet werden oder wo sie, wie bei dem letzten großen Tsunami, ersaufen. Gott könnte das doch alles verhindern, oder?“
„Sicher könnte er das. Gott ist allmächtig.“
„Und warum tut er es dann nicht?“
„Weil Gott es den Menschen überlassen hat, den Zustand der Welt selbst zu gestalten. Ganz einfach.“
„Er schaut also einfach zu, wie die Menschen leiden. Das ist aber nicht gütig. Ich frage mich – und Sie natürlich – will Gott die Übel beseitigen und kann es nicht, oder kann er es, will aber nicht?
Kann er es nicht beseitigen, ist er nicht allmächtig, will er es nicht, ist er nicht gütig.“
„Gott ist allmächtig! Gott ist gütig! Das Leid mancher Menschen ist ganz sicher Bestandteil seines Heilsplanes für die Menschheit. Du musst das Ganze in größerem Zusammenhang sehen.“
„Na, das erklären Sie mal einer afrikanischen Mutter, deren Kind in der Nacht an Unterernährung gestorben ist.“
„Sie würde, mein Sohn, das genau so wenig verstehen, wie wir. Gottes Wege sind Gottes Wege und wir Menschen kennen sie nicht. Wir müssen einfach glauben, dass Gott das Richtige tut, dass er gütig und allmächtig ist. Glauben!“

Frauen

„Sagen Sie, Pater, was hat Gott eigentlich gegen die Frauen?“
„Wie kommst Du darauf, dass Gott etwas gegen die Frauen hat? Gott hat bestimmt nichts gegen Frauen.“
„Doch, hat er. Das fing ja gleich zu Anfang an. Da soll Gott doch gesagt haben – so hat es wenigstens der Heilige Geist inspiriert: ‚Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen‘. Also nicht eine Frau, sondern eher so eine Art Magd, oder wie?“
„Das, mein Sohn, ist eine Frage der Übersetzung. Die Kirche geht davon aus, dass Eva nicht die Magd von Adam war, sondern eine Gefährtin. Nicht ganz, aber fast gleichberechtigt. Adam war halt zuerst da.“
„Nun ja, wenn Sie es sagen. Aber da gibt es ja noch ganz andere Sachen. Was der fromme Lot, der Typ, der aus Gomorrha abhauen durfte, mit seinen Töchtern gemacht hat oder dass der Johannes festgestellt hat, dass nur 144.000 Männer in den Himmel kommen werden, die sich mit Frauen nicht befleckt haben. Das steht da genau so.
Das heißt doch, dass nur Eunuchen oder Schwule in den Himmel kommen können und Frauen überhaupt nicht.“
„Unsinn. Natürlich können Frauen die ewige Seligkeit erreichen. Das Ganze muss man wieder mehr zeitbezogen sehen. Die Stellung der Frau im Vorderen Orient ist heute noch problematisch. Außerdem hat der Johannes das nur prophezeit und da hat er sich eben mal geirrt. Er hat ja nur seine Vorstellung hingeschrieben.“
„Und der Heilige Geist hat mal wieder nix unternommen, um den Irrtum aufzuklären. Schlampig. Na gut. Lassen wir das erst mal. Schauen Sie sich aber Ihren Verein heute an. In der Chefetage nur alte Männer. Die laufen zwar wie Frauen rum, mit Kittelchen und bunten Kleidern, aber Frauen haben da nix zu melden.“
„Und was sagst Du zu den Nonnen, mein Sohn?“
„Die sind doch nur Fußvolk. Sehen Sie die Kirche mal als Armee. Dann können Nonnen allenfalls mal Unteroffizier werden. Vom Leutnant bis rauf zum General nur Männer. Nee, Pater, Frauen sind bei Euch nur 2. Wahl. Zu sagen haben die nix.“
„Sei sicher, Gott liebt alle Menschen. Auch die Frauen und die wissen das und glauben daran.“

Abrahams Alter

„Also, Pater, in der Bibel stehen ja ganz verrückte Sachen drin. So ähnlich, wie in Grimms Märchen oder in tausendundeine Nacht.“
„Ich erinnere mich, Dir schon mal gesagt zu haben, dass die Bibel kein Märchenbuch ist. Sie ist die Grundlage unseres Glaubens. Merk Dir das mal!“
„Aber Pater, wenn da doch wirklich Unsinn drin steht. Wie alt werden Sie sein, wenn Sie sterben?“
„Was, mein Sohn, soll diese Frage? Ich weiß es nicht genau. 70, 80 oder gar noch ein paar Jahre älter. Also, warum fragst Du?“
„Wissen sie, Pater, wie alt der älteste Mensch ist, der zur Zeit auf der Erde lebt?“
„Nein auch nicht genau. Das sind meistens Japaner und die werden dann vielleicht 110 Jahre alt.“
„Irgendwann in der letzten Zeit ist der älteste Mensch gestorben. 113 Jahre alt. Und in der Bibel steht, dass der Abraham 175 Jahre alt war, als er starb. Das ist doch Unsinn, oder?“
„Mein Sohn, wenn Gott möchte, dass ein Mensch 175 Jahre alt wird, dann wird dieser Mensch so alt.“
„Aber warum sollte Gott so was wollen? Alle anderen sterben mit, wie Sie sagen, 70, 80 oder noch ein paar Jahre älter. Warum ausgerechnet Abraham erst mit 175 Jahren?“
„Das, mein Sohn, ist eine Frage, die Dir kein Mensch beantworten kann.“
„Noch lustiger ist ja, dass die Frau vom Abraham mit 100 Jahren noch einen Sohn zur Welt gebracht hat. Wenn ich mir anschaue, wie hierzulande die Frauen mit 80 oder 90 Jahren aussehen, dann ist das eine ziemlich irre Vorstellung. Finden Sie nicht, Pater?“
„Auch das kann Gott, wenn er will, bewirken.“
„Und sie glauben das Alles, was da steht?“
„Selbstverständlich. Es ist Gottes Wort und daran zu zweifeln, ist Sünde. Ich glaube daran – fester als an den Börsenbericht.“

Auf dem See

„Jesus ist doch, wie Sie sagen, Gott. Richtig?“
„Ja, mein Sohn, Jesus ist Teil Gottes.“
„Wieso braucht aber einer, der Gott ist, dauernd irgendwelche Spielchen und Stückchen, um bestätigt zu kriegen, dass er Gott ist?“
„Die von Dir angeführten Spielchen und Stückchen gibt es in der Bibel nicht. Das ist eine ziemlich abfällige Formulierung, mit der Du, wie ich vermute, die Wunder beschreibst, die Jesus vollbracht hat.“
„Nein, die Wunder meine ich eigentlich nicht. Einen Kranken gesund machen oder gar einen Toten auferstehen lassen – naja, das kann man glauben oder nicht. Ich meine eine andere Geschichte. Die spielt am See Genezareth. Da heißt es:
‚Aber in der vierten Nachtwache kam er zu ihnen, wandelnd auf dem See. Und als die Jünger ihn auf dem See wandeln sahen, wurden sie bestürzt und sprachen: Es ist ein Gespenst! Und sie schrien vor Furcht. Alsbald aber redete Jesus zu ihnen und sprach: Seid guten Mutes, ich bin’s; fürchtet euch nicht‘!“
„Du weißt, dass die Geschichte noch weitergeht, ja?“
„Klar. Der Petrus wollte auch mal auf dem Wasser laufen und Jesus hat es ihm erlaubt und das ging ein paar Schritte auch gut. Dann kriegte Petrus Angst und fing an, abzusaufen. Der Jesus hat ihn dann gerettet und als die Beiden wieder an Bord waren, kamen alle anderen – so steht das da – und warfen sich vor ihm nieder und sprachen: ‚Wahrhaftig, Du bist Gottes Sohn‘! Wieso braucht der Jesus so eine Bestätigung. Haben die ihm vorher nicht geglaubt?“
„Unsinn, mein Sohn. Jesus suchte keine Bestätigung dafür, dass er Gottes Sohn, also Teil Gottes ist, sondern er wollte mit der Aktion den Jüngern demonstrieren, dass man Alles erreichen kann, wenn man nur fest daran glaubt.
Petrus glaubte zuerst, dass er auf dem Wasser gehen kann und das konnte er tatsächlich, als er dann Angst bekam und in seinem Glauben schwankend wurde, musste Jesus ihn retten, weil er sonst vielleicht ertrunken wäre.“
„Wie ist es, Pater? Glauben Sie so fest, dass Sie auf dem Wasser laufen können?“
„Mein Sohn, ich bin ein mit Fehlern behafteter Mensch. Ich würde gerne so fest in meinem Glauben sein, aber das kann ein Mensch wohl nicht. Trotzdem werde ich – und ich rate Dir das auch – mit ganzem Herzen und ohne Abstriche glauben.“

Auferstehung

„Ich bin ziemlich verwirrt, Pater.“
„Das ist ja bei Dir kein so ganz seltener Zustand, mein Sohn. Warum bist Du verwirrt?“
„Also, ich wollte wissen, wie das mit der Auferstehung von Jesus war und da fand ich ein ganz gewaltiges Durcheinander. Wenn man sich das durchliest, dann weiß man nachher nicht mehr, was denn nun stimmt. Bei dem einen, dem Markus, sind es drei Frauen, die Maria Magdalena, die Maria, Mutter vom Jakobus und die Salome, die zum Grab gehen und merken, dass da niemand mehr drin ist, bei dem Matthäus sind es nur noch zwei Frauen. Die Salome fehlt.
Bei dem Lukas sind es wieder drei, aber statt der Salome ist da eine Johanna genannt und bei dem Johannes ist es nur noch eine Frau, die Maria Magdalena.
Auch das Drumherum stimmt nicht überein. Markus erzählt von einem jungen Mann am Grab, Matthäus sagt, dass dort ein Engel war und dass es ein Erdbeben gegeben hätt und beim Lukas sind es plötzlich zwei Engel. Also, wenn das vom Heiligen Geist so den Schreibern diktiert worden ist, dann muss der wohl echt besoffen gewesen sein, oder?“
„Du machst Dich der Blasphemie schuldig, mein Sohn. Den Heiligen Geist, also Gott, als besoffen zu bezeichnen, ist Gotteslästerung. Das verbiete ich Dir.“
„Gut, ich nehme das zurück. Aber nur, wenn Sie mir sagen, was denn nun an der Geschichte stimmt und was nicht.“
„Das kann ich nicht. Du musst bedenken, dass die beschriebenen Ereignisse 2000 Jahre her sind und dass die Texte mehrfach übersetzt wurden. Dabei entstehen natürlich Fehler.“
„Das kann man wohl sagen. Aber was ist falsch und was ist richtig in dieser Sache?“
„Ich sagte schon, dass ich diese Frage nicht genau beantworten kann. Aber die Umstände sind doch auch gar nicht so wichtig. Tatsache ist: Unser Herr, Jesus Christus, ist auferstanden. Es genügt, wenn das zu einer Glaubensgewissheit für Dich wird, mein Sohn. Daran musst Du einfach glauben.“

Hiob

„Pater, wissen Sie, wer der Hiob war?“
„Aber sicher, mein Sohn. Ich weiß, wer Hiob war. Ein Vorbild der Glaubensstärke, einer, der sich auch in allergrößter Not und allergrößten Schmerz nicht von seinem unbedingten Glauben an die Güte Gottes abbringen ließ.“
„Aber, Pater, bei der Geschichte ist Gott mal wieder in einer sehr seltsamen Rolle. Er wollte, so heißt es, Hiobs Glaubensstärke auf die Probe stellen, wobei er die Drecksarbeit nicht mal selber machte, sondern dem Satan überließ.“
„Du musst das so sehen: Satan ist ein Instrument in der Hand Gottes, ein Instrument, das Gott zu gehorchen hat.“
„Naja, schön und gut, aber wieso muss er den armen Hiob auf die Probe stellen. Das ist doch genau so, wie bei dem Abraham. Wenn Gott allwissend ist, dann weiß er doch, dass Hiob all die Plagen und Schmerzen wegsteckt. Ganz abgesehen davon, dass dabei die zehn Kinder der Familie, nur um den Hiob leiden zu lassen, umgebracht werden. Nee, Pater, insgesamt ist das eine ziemlich üble Show, die Gott da abzieht.“
„Ich verbiete Dir, so über Gott zu reden. Du versündigst Dich. Wenn Gott die Menschen leiden lässt, dann hat er seine Gründe und diese Gründe können wir nicht beurteilen. Ist das klar?“
„Das kann ja so sein, aber der Widerspruch ist damit nicht aus der Welt. Wenn ich jemanden auf die Probe stelle, dann will ich doch was rauskriegen und wenn ich schon vorher alles weiß, dann muss ich doch nicht erst so einen Test machen, oder?“
„Ich sagte Dir doch, warum Gott etwas macht, danach haben wir nicht zu fragen. Wir können Gott nur verehren, lieben und an ihn glauben.“